Montag, 13. Februar 2017

Everybody's Darling: Lasagne al forno (alla Bolognese)



Nein, eine Schönheit ist sie wirklich nicht! Ganz und gar unfotogen, im "wirklichen" Leben weit entfernt von den perfekten "Models" auf den Fix-Tütchen. Aber jeder liebt sie: Die Lasagne alla Bolognese.
Saftig, cremig, unheimlich gut - ein echter Klassiker eben! Ein wenig Mühe macht diese Lasagne schon, vor allem, wenn man auch noch die Pastablätter selber herstellt. Aber das Ergebnis entschädigt auch für die verbrannten Fingerspitzen, die man sich unweigerlich beim Vorkochen und Ausbreiten der Pastablätter holt.
Aber dann: Hinsetzen, Wein eingießen - Lasagne genießen!


Auch wenn die Lasagne alla Bolognese, wie der Name schon sagt, eine typische Spezialität der Emilia Romagna ist, kannte man schon in der Antike ein ähnliches Gericht; natürlich nicht in seiner heutigen Form. So mischte man in Streifen geschnittene "Teigblätter" mit Gemüse und Käse; im alten Rom bezeichnete man dann dieses Gericht als "lasanum", womit wiederum die Form des Kochgeschirrs gemeint war. Diesen Begriff hatten die Römer von den Griechen übernommen; im Altgriechischen nannte man den Rost für die Töpfe "tà lásana" (τὰ λάσανα). Cicero soll übrigens ein großer Liebhaber dieses Vorgängers der heutigen Lasagne gewesen sein.
Für die Füllung habe ich wieder ein klassisches Ragù zubereitet, wie ich es hier schon einmal beschrieben hatte. Ich erlaube mir, ein Lorbeerblatt hinzufügen, auch wenn das im Originalrezept nicht vorgesehen ist. Aber bitte: keinen Knoblauch, kein Oregano, keine weiteren Kräuter!
Auch der Rotwein entspricht nicht den strengen "Gesetzen" der Zubereitung, wie sie die Accademia Italiana della cucina einst festgelegt hat. Also -  pssst - nicht weitersagen...




     Zutaten
     (für 6-8 Personen)

     Pasta

  • 150 g Mehl
  • 50 g Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata)
  • 1 Prise Salz
  • ein Tl Olivenöl extra vergine
  • 2 Eier


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig herstellen. Nach der Ruhezeit den Teig portionsweise durch die Walzen der Pastamaschine dünn ausrollen. Die Teigbahnen so zurechtschneiden, dass sie in eine Auflaufform passen. Die Teigplatten portionsweise für einige Sekunden in kochendes Salzwasser tauchen, dann auf einem Küchenhandtuch ausbreiten.





     Ragù


  • 500 g Rinderhack
  • 1 Salsiccia, ca. 80 g (Orig.: Pancetta) (möglichst ungewürzt, ohne Fenchelsamen!)
  • 80 g Karotten
  • 80 g Stangensellerie
  • 2 kleine Schalotten
  • 1 Lorbeerblatt (fakultativ)
  • 240 g geschälte Tomaten (Dose)
  • 125 ml Rotwein (Orig.: Weißwein)
  • Olivenöl extra vergine
  • ca. 1 El Butter
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1/2 Glas Milch


Karotten, Selleriestangen und Schalotten in feine Würfel schneiden und in etwas Olivenöl und der Butter in einer Pfanne anschwitzen. Salsiccia enthäuten und zerpflücken, zu dem "Soffritto" in die Pfanne geben. Das Rinderhack hinzufügen und krümelig anbraten. Mit dem Wein ablöschen und diesen verdunsten lassen. Salzen, pfeffern, Lorbeerblatt und die geschälten Tomaten hinzugeben.
Zugedeckt ca. 2 Stunden köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren, eventuell noch etwas Wasser (oder auch Fleischbrühe) hinzugeben, wenn das Fleisch zu trocken wird.
In der letzten Stunde nach und nach die Milch hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.


     Béchamelsauce


  • 70 g Butter
  • 70 g Mehl
  • 3/4 L Milch
  • Salz, frisch gemahlner Pfeffer
  • frisch geriebene Muskatnuss


In einem Topf die Butter zerlassen und das Mehl unter Rühren hinzugeben. Wenn es zu schäumen beginnt, nach und nach die Milch mit einem Schneebesen einrühren. Aufkochen und köcheln lassen; wenn die Sauce zu dick ist, noch etwas Milch unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.





     Fertigstellung


  • ca. 100 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Butter für die Form


Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Eine Auflaufform mit Butter ausfetten und ein wenig von dem Ragù von der Oberfläche entnehmen, bei dem sich etwas Öl abgesetzt hat, und auf dem Boden der Form verteilen.
Dann die erste Lage Lasagneblätter einlegen, darauf etwas Ragù, dann ein wenig Béchamel und geriebenen Parmigiano daraufgeben. Die nächste Lage Pasta auflegen - und so weiterverfahren, bis alle Zutaten aufgebraucht sind. Die oberste Lage sollte auch in der Reihenfolge "Ragù, Béchamel, Parmigiano" abgeschlossen werden.
Die Lasagne für ungefähr 40 Minuten in den Ofen schieben.
Vor dem Anschneiden 10 Minuten ruhenlassen.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 8. Februar 2017

"Genesungshilfe" Pasta: Reginette con carciofi e prezzemolo fritto



Der Appetit ist wieder etwas zurückgekehrt, nachdem ein grippaler Infekt meinen Mann und mich erst einmal außer Gefecht gesetzt hatte -  trotz Hühnersuppe, Ingwertees und des täglichen Orangensafts. Da wurde auch mal Pizza aus der Pizzeria mitgebracht, oder es gab ausnahmsweise fertige Ravioli aus dem Kühlregal, die ich eigentlich verschmähe. Zwischendurch wurde auch gekocht, meist aber Gerichte aus der Abteilung "schnelle Küche".
Und mit dem Abklingen der Erkältung kehrte auch die Lust am Kochen und Genießen ein wenig zurück. Langsam, ganz langsam...






Auch wenn man bei italienischen Pastagerichten gerne an die oben bereits erwähnte "schnelle Küche" denkt, geht es manchmal auch ein wenig aufwändiger. Also: Pasta selbst machen, frische Artischocken putzen (nun gut, da schummele ich immer, da mir diese Arbeit meine Marktfrau abnimmt), Tomaten häuten und entkernen und die Petersilie nicht einfach so darüberstreuen, sondern vorher frittieren.
Mit einem Teller dieser Pasta kehrten dann langsam die Lebensgeister zurück!







Zutaten
(für 2-3 Personen)

Reginette

150 g Mehl 
50 g Hartweizengrieß
2 Eier
etwas Olivenöl extra vergine (ca. 1 Tl)
eine Prise Salz


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig kneten.
Anschließend den Pastateig durch den Reginette-Aufsatz drehen - oder diesen mit Hilfe eines Teigrädchen in Streifen in einer Breite, die zwischen Tagliatelle und Pappardelle liegen, schneiden.
Die Garzeit beträgt ca. 2 Minuten in sprudelnd kochendem Salzwasser.





Artischocken

6-8 kleine Artischocken (z. B. "Romaneschi")
1 unbehandelte Zitrone
1 Knoblauchzehe
2 Fleischtomaten
1 El Salzkapern
2 El Olive Taggiasche, entkernt und in Öl eingelegt
ein paar Blätter Bergminze (Mentuccia)
1 handvoll glatte Petersilie
1 El Butter
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Zunächst in einer Pfanne die Butter aufschäumen lassen und die Petersilienblättchen darin knusprig ausbraten. Danach die Blättchen auf etwas Küchenpapier legen.
Salzkapern gründlich wässern.
Zitronenschale abreiben und aufheben. Zitrone auspressen und den Saft in eine mit Wasser gefüllte Schüssel füllen.
Artischocken putzen und bis zur weiteren Verwendung im Zitronenwasser aufheben.
Tomaten mit kochendem Wasser übergießen, abschrecken, häuten, entkernen und in Würfel schneiden.
Artischocken vierteln, eventuell das Heu entfernen, und die Viertel in Spalten schneiden.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Artischockenspalten hinzufügen. Salzen, pfeffern, eine Knoblauchzehe dazupressen und etwas Wasser angießen. Zugedeckt weich dünsten; das dauerte ca. 15-20 Minuten. Zwischendurch immer mal wieder kontrollieren, ob die Artischocken nicht zu "trocken" werden. Ein paar Minzblättchen zufügen.
Gegen Ende der Garzeit die abgespülten Kapern und die Oliven hinzufügen.
Pasta al dente kochen, abgießen und mit dem Zitronenabrieb und den Tomatenwürfeln unter die Artischocken heben. Eventuell noch etwas Pasta-Kochwasser untermischen.
Pasta mit den frittierten Petersilienblättchen bestreuen.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 29. Januar 2017

Fünf Jahre Rezepte und Geschichten...




Fünf Jahre! Die Posts sind weniger geworden, aber es macht immer noch Spaß! Manchmal muss man sich schon aufraffen, manchmal fehlt die Zeit - so ist das halt. Wie im richtigen Leben, das sich oft in den Vordergrund drängt.

Wenn ich für einen kleinen Rückblick auf das vergangene Bloggerjahr jeweils nur einen Beitrag pro Monat nennen dürfte, würde das so aussehen:

Februar: Ich habe, weit nach Ende der Weihnachtszeit. Panettone gebacken, und zwar in pikanter Version. Schinkenstückchen und Mozzarella machen die kleinen Panettocini Rustici richtig herzhaft. So mag ich es!

März: Meinen bisher wohl witzigsten Beitrag, direkt aus dem Leben gegriffen, der den Diätwahn in Italien augenzwinkernd auf die Schippe nimmt, könnt Ihr hier nachlesen. Dagegen habe ich ein üppiges Pastagericht gesetzt: Nidi di spaghettini.

April: Warum dieser Beitrag für das Rezept einer saftigen Zitronentorte aus Capri, der Torta Caprese al limone, für mich ein ganz besonderer ist, das greife ich hier am Schluss noch einmal auf.

Mai: Ende Mai beginnt für mich immer die schönste Jahreszeit in Rom. Regelmäßig gefeiert mit einer Leckerei mit Erdbeeren. Dieses Mal waren es diesen kleinen Erdbeergugls mit Amaretto.

Juni: Meinen liebsten Blogevent (ohne die anderen zu schmälern!) hat in diesem Jahr Peter von "Aus meinem Kochtopf" ausgerichtet. Es ging um die Fußball-WM, für die ich Knabberkram in Form von Grissini alle erbe beigesteuert habe.

Juli: Noch einmal WM. Ich musste die Italiener in diesem Monat nach ihrer Niederlage trösten. Natürlich mit Pasta. Üppig ist schon die Bezeichnung des Gerichts: Papiri con pesto di pistacchio e menta con zucchini e fiori di zucca. Danach flossen keine Tränen mehr.

August: Noch einen wunderbaren Blogevent gab es im August. Ebenfalls fünf Jahre alt wurde der Blog "Obers trifft Sahne" der lieben Petra. Fünf Zutaten waren gefordert, um daraus ein Gericht zu kreieren. Ich steuerte Eis bei, das die Augusthitze erträglicher machte: Gelato di cocco e lamponi.

September: Noch ist dieser Monat in Italien purer Sommer. Zum ersten Mal verbrachte ich ein paar Tage auf den Äolischen Inseln und habe von dort eine Knabberei zum Aperitif mitgebracht. Crostini di pane alle erbe sind superschnell gemacht und sorgen mit entsprechenden Getränken für die italienischen Momente im Leben.

Oktober: Der Herbst rückte näher, aber bei strahlendem Sonnenschein verbrachten wir einen wunderbaren Tag mit Julia vom Blog "German Abendbrot" und ihrem Mann in der Toskana. Genuss pur mit typisch toskanischem Essen, Weinen und einer Burgbesichtigung. Die Zeit der Weinlese ist auch die Zeit, um einen traditionellen Traubenkuchen, die Schicciata all'uva,  in den Ofen zu schieben.

November: Mit einer Quiche mit Kürbis, Grünkohl und Gorgonzola wird es langsam herbstlich auf dem Blog. Das große Backen steht bevor...

Dezember: Und natürlich wird wieder eine italienische Weihnachtsspezialität vorgestellt. Zum ersten Mal habe ich mich an einen Pandoro gewagt. Dabei sollte man viel Zeit einplanen...

Januar: Das neue Jahr ist angebrochen, ein altes Bloggerjahr geht zu Ende. Anlass, um das mit einem hübschen Dessert zu feiern: Winterliche Pavlova.

Ich hatte es schon angesprochen, seit diesem Jahr gibt es ein neues Familienmitglied. Im April plumpste ein kleines schwarzes Kätzchen, das unsere Nachbarin auf der Strasse gefunden hatte, in mein Leben. In der ersten Nacht bei uns schlich sie sich nicht nur in das Schlafzimmer, um sich dort neben meinem Bett zusammenzukringeln, nein, sie schlich sich ganz tief in mein Herz! Alleine mag sie immer noch nicht gerne sein, und so folgt sie mir zu Hause immer überall hin. Aber sie ist wesentlich "selbstbewußter" geworden und weiß genau, was sie will. Vor allem am Morgen fordert sie Gesellschaft, kratzt an der Tür und maunzt wie ein Baby-Kätzchen (überhaupt ist sie sehr gesprächig; wie meinte die Tierärztin: "Parla molto" - sie spricht viel). Und dann streckt sie sich ganz lange vor mir aus, rollt sich vor Freude hin und her, ich nehme mein Kringelchen auf den Arm, wir gehen ans Fenster und begrüßen einen neuen Tag:

 Guten Morgen, Welt - Buongiorno mondo!





Ich danke Euch auch in diesem Jahr für Eure Begleitung bei meinen kulinarischen Versuchen und Abenteuern und freue mich ehrlich über jeden Kommentar von Euch! Und wenn Ihr mir weiterhin treu bleibt, würde mich das sehr, sehr freuen und mir weiterhin viel kulinarischen Elan geben.


Grazie a tutti Voi!

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 27. Januar 2017

Die reinste Medizin: Risotto all'arancia con finocchio brasato



Trotz des frischgepressten Safts aus Tarocco-Orangen, den wir in dieser Jahreszeit jeden Morgen trinken, haben die Erkältungsviren zugeschlagen. Mein armer Mann hustet und schnupft sich durch lange Tage und kurze Nächte; noch bin ich verschont geblieben.
Also wurde ein großer Topf Hühnersuppe mit viel Suppengemüse gekocht - genug, um am folgenden Tag die Suppenreste noch für einen Risotto verwenden zu können.
Gesünder geht es kaum: Orangen, Hühnerbrühe und Fenchel; letzterer wird für seinen Vitamin-C-Gehalt geschätzt, der sogar noch den von Orangen übertreffen soll.
Damit der Risotto nicht allzu asketisch daherkommt, hat sich noch ein wenig Alkohol eingeschlichen. Der killt dann bestimmt noch die allerletzten Viren!





Zutaten
(für 2 Personen)

180 g Carnaroli (oder einen anderen Risotto-Reis)
1 kleine Lauchstange, nur der weiße Teil
100 ml Gewürztraminer (oder einen anderen Weißwein)
ca. 3/4 L Hühnerbrühe, möglichst selbstgemacht
2 unbehandelte Orangen
2 El Butter
etwas Olivenöl extra vergine
60 g Gorgonzola dolce
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

1 Fenchelknolle
etwas Olivenöl extra vergine
Cointreau
Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Den weißen Teil der Lauchstange putzen und in sehr feine Ringe schneiden.
Orangen heiß abwaschen, von einer Orangen mit dem Zestenreißer die Schale abschälen, dann das Innere filetieren. Saft auffangen (eventuell die Reste auspressen). Die zweite Orange auspressen und den aufgefangenen Saft dazugeben.
Die Hühnerbrühe erhitzen und leicht köchelnd halten.
In einer Pfanne den Lauch in einem Eßlöffel Butter und etwas Olivenöl anschwitzen. Den Reis hinzufügen und glasig werden lassen. Dann mit dem Wein ablöschen und diesen etwas einkochen lassen. Orangensaft hinzugießen, ebenfalls etwas einkochen lassen.
Nun nach und nach mit köchelnder Hühnerbrühe aufgießen. Immer wieder umrühren.
Der Risotto braucht ab dem ersten Aufgießen mit köchelnder Flüssigkeit etwa 18 Minuten, dann kann er weiter verarbeitet werden.

Parallel dazu die Fenchelknolle putzen, etwas Fenchelgrün zur Seite legen, und in Scheiben schneiden, dabei den Strunk vorsichtig entfernen, damit der Fenchel nicht auseinanderfällt.
In einer Pfanne in etwas Olivenöl die Fenchelscheiben von beiden Seiten anbraten, salzen, pfeffern und mit einem guten Schuss Cointreau ablöschen. Etwas einkochen lassen; der Fenchel sollte noch bissfest sein.

Nun geht es wieder an den Risotto. Gorgonzola zerpflücken und einen Teil zur Seite legen. Die Pfanne mit dem Risotto vom Herd nehmen, die restliche Butter hinzugeben und den Käse, die Orangenzesten und die Filets (einige zur Dekoration zur Seite legen) unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Risotto zugedeckt zwei Minuten ruhen lassen.
Risotto auf den Tellern verteilen und die Fenchelscheiben auflegen. Fenchelgrün, Gorgonzola-Stückchen, Orangenfilets und Orangenzesten über dem Risotto verteilen.





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Donnerstag, 12. Januar 2017

Mit kalabresischem Temperament: Girelle con 'Nduja



Erst kürzlich konnte man in der New-York-Times lesen, dass die Küche in Kalabrien zu den besten von ganz Italien gehöre. So sehen es wohl jedenfalls die Redakteure des Magazins.
Ein gewagtes Statement! Eher würde ich behaupten, dass keine Region so sehr wie Kalabrien die italienische Küche im Ausland geprägt - und leider auch für viele kulinarische Klischees gesorgt - hat. 
Es waren die Auswanderer aus dem armen Süden Italiens, die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Gerichte ihrer Heimat in aller Welt getragen haben; eine pikante, knoblauchlastige und deftige "Cucina Povera", die die italienischen Küche wie keine andere in den folgenden Jahren repräsentieren sollte. In Zeiten von kartoffelseliger deutscher Hausmannskost mit verkochtem Gemüse und mehllastigen Saucen kann man diesen Siegeszug nur allzu gut nachvollziehen.
Dass Italien mit seinen vielen unterschiedlichen Regionen noch viel mehr zu bieten hat, das wurde erst sehr viel später in der internationalen Gastronomie (an)erkannt. Und dass auch nördlich der Alpen heute "leichter" und mit mehr Raffinesse gekocht wird, haben wir sicher auch unseren südeuropäischen Nachbarn zu verdanken.

Kalabrien gehört noch immer zu den Regionen Italiens, die ich am wenigsten kenne - und mit der ich auch nicht die positivsten Erinnerungen verbinde. Da ist die heruntergekommene Autobahnstrecke, die bisher die Bezeichnung "Autostrada" kaum verdiente. Über sie quälten wir uns oft bis nach Reggio Calabria - aus Sicherheitsgründen während des Tages -, wo wir dann nach Sizilien übersetzten. Nun hat sich einiges getan, wurde die Autobahn erst kurz vor Weihnachten neu eröffnet. So kleine, unbedeutende Extras wie Leitplanken, Beschilderungen etc. fehlen an einigen Stellen angeblich immer noch, aber die Politiker wollten die Einweihung möglichst schnell im alten Jahr hinter sich bringen.
Ellenlange wunderschöne Küstenabschnitte, wilde Berge, interessante landwirtschaftliche Produkte  - diese Region hätte soviel zu bieten. Aber es fehlt viel, unter anderem auch attraktive touristische Strukturen, die einem internationalen Standard gewachsen sind. Im Hinterland sucht man vergebens Ortschaften, die es mit den Dörfchen der Toskana oder Umbriens aufnehmen können. Und leider spürt die Region auch immer wieder die zerstörerische Kraft einer der gefährlichsten und mächtigsten kriminellen Organisationen, die es in Italien - und mittlerweile über den ganzen Erdball zerstreut - gibt: der 'Ndrangheta.



Zwiebeln aus Tropea, einem hübschen, auf einem Felsen gelegenen Städtchen im Süden Kalabriens, Bergamotten, aus denen Öl gewonnen wird, und eine pikante Schweinswurst mit dem zungenbrecherischen Namen 'Nduja gehören zu den bekanntesten Erzeugnissen dieser Region.
Ein Gläschen mit der dunkelroten, chilischarfen Wurstmasse schiebe ich nun seit mindestens einem Jahr in meinem Kühlschrank von der einen in die andere Ecke. Sie nur so auf's Brot zu schmieren, das wollte ich mit der 'Nduja nicht. Einen Sugo für Pasta daraus zu kochen war eine weitere, auch in der Zwischenzeit  verworfene Option.
Und noch während ich beim Einkauf die Entscheidung zwischen Schinken oder Pancetta für meine kleinen "Pizzarollen" überdachte, kam mir wieder dieses Gläschen mahnend in den Sinn. Damit war das Schicksal der 'Nduja besiegelt.
Aus der beliebten Reihe "Una tira l'altra" (die eine führt zur anderen) hier nun diese unwiderstehlichen, herzhaft-pikanten, süchtig-machenden, zum-Finger-ableckenden Girelle con 'Nduja. Die versöhnen mich wieder mit Kalabrien, dem wir eine weitere Chance geben sollten. Nicht zuletzt wegen der Küche...
(Bevor ich jetzt die Zutaten aufschreiben, gehe ich erstmal eine weitere naschen...)




Zutaten

Hefeteig

500 g Manitoba-Mehl, Typ 0 + Mehl zur Verarbeitung
13 g frische Hefe
300 ml lauwarmes Wasser
1 Tl Zucker
3 El Olivenöl extra vergine
10 g Salz

Die Hefe in dem Wasser auflösen, Zucker und Öl hinzufügen und einige Minuten ruhenlassen.
Das Mehl in eine Schüssel sieben, Salz hinzufügen und in die Mitte eine Mulde drücken. Die Hefemischung in die Mitte gießen und zunächst mit einer Gabel mit etwas Mehl verrühren. Nach und nach Mehl von der Seite unterrühren. Zum Schluss mit dem Knethaken zu einem glatten Teig verarbeiten.
Schüssel abdecken und den Teig an einem warmen Ort zwei Stunden gehenlassen.


Füllung

90 g 'Nduja
1 kleine rote Paprikaschote
1 kleine gelbe Paprikaschote
1 Zucchino
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
100 g Scamorza affumicata
(geräucherter halbfester Käse) grob geraspelt
getr. Oregano

Paprikaschoten und Zucchino putzen, in kleine Würfelchen schneiden und in etwas Olivenöl kurz anbraten. Das Gemüse sollte noch knackig bleiben. Salzen und Pfeffern.
Den Hefeteig auf einer bemehlten Fläche nicht zu dünn zu einem Rechteck ausrollen.





Teig mit der Wurstmasse bestreichen, darüber die Gemüsestückchen und den geraspelte Käse verteilen.
Teigplatte von der kurzen Seite her aufrollen, auf ein bemehltes Brett legen, mit einem Küchenhandtuch abdecken und an einem warmen Ort eine weitere Stunden gehenlassen.
Nach dieser Zeit die Rolle mit einem scharfen Messer in zwei bis drei Zentimeter breite Teile schneiden. Diese Teigräder auf zwei mit Backpapier ausgelegte Bleche legen und mit etwas getrocknetem Oregano bestreuen. Nochmals die Teigräder abgedeckt eine weitere Stunde gehenlassen.
Den Ofen auf 200 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Girelle ungefähr 25 Minuten im Ofen backen.


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

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