Dienstag, 30. April 2013

Endlich - zu Hause, Sommer und selbstgemachte Pasta!



Mehr als zwei Wochen waren wir unterwegs - mit dem Flieger, im Auto, in Athen, in Frankfurt, in Milano Marittima (grauenhaft, wer macht da noch Urlaub?) - nur: es waren leider keine Urlaubstage. Und es war anstrengend, sehr anstrengend, besonders, wenn man sich auf dem Rückweg noch einen eingeklemmten Nerv zuzieht.
Aber seit unserer Rückkehr strahlt die Sonne am stahlblauem Himmel, es ist sommerlich geworden (den Frühling haben wir mal wieder übersprungen) - da geht es Nerv und Laune doch gleich wieder besser!
Viel gekocht habe ich in den vergangenen Wochen nicht, dafür aber einige neue deutsche und italienische Kochzeitschriften durchgeblättert.
So gibt es mal wieder Pasta, selbstgemachte und gefüllte Pasta, die ja bekanntlich einfach glücklich macht!
Nur einem trauere ich doch etwas hinterher: Die (weiße-)Spargelzeit wird jetzt leider an mir vorübergehen, denn das von mir so geliebte Frühlingsgemüse gibt es hier nicht (oder nur maßlos überteuert in maßlos schlechter Qualität).
Aber Pasta tröstet mich auch darüber hinweg!




Tortelli di capra con pesto di zucchine, menta e basilico
(für 2-3 Personen)

Pastateig


  • 150 g Mehl
  • 50 g Hartweizengrieß + Hartweizengrieß zum Ausrollen und Bemehlen der Raviolamp
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz
  • wenige Tröpfchen Olivenöl extra vergine


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig herstellen und in Folie gewickelt eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann mit Hilfe einer Nudelmaschine zu dünnen Bahnen ausrollen.


Füllung

  • 120 g Ziegenfrischkäse
  • 25 g Ricotta di pecora (Ziegenricotta, ersatzweise Kuhmilchricotta)
  • 1 El Schnittlauch, in feine Ringe geschnitten
  • Abrieb von einer halben unbehandelten Zitrone
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Eiweiß


Ziegenfrischkäse mit der Ricotta vermengen, Schnittlauchröllchen und Zitronenabrieb unterrühren und mit Pfeffer abschmecken. Die Käsecrème in einen Spritzbeutel füllen.




Die ausgerollten Pastabahnen mit der gut bemehlten Seite auf die Raviolamp legen, mit Hilfe des Spritzbeutels die Füllung in den Vertiefungen verteilen, eine zweite Pastaplatte mit Eiweiß bestreichen und auf die Platte mir der Füllung legen. Gut andrücken und mit dem Nudelholz darüberrollen, Raviolamp umdrehen und die Pasta auf die Arbeitsplatte stürzen. Die Tortelli mit Hilfe eines Teigrädchens trennen.
Tortelli in Salzwasser zirka 3 Minuten kochen, dann mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser heben.




Pesto

  • 4 Zucchine (ich nehme die junge, hellgrüne und gerippte Sorte)
  • je ein kleines Sträußchen Minze und Basilikum
  • 2 El Parmigiano Reggiano (im O.-Rezept: Grana Padano)
  • Olivenöl extra vergine (2 El zum Anbraten der Zucchine, ca. 75 ml für das Pesto)
  • Fleur de Sel, frisch gemahlener Pfeffer
  • 2 El Pinienkerne
  • 2 El gehackte Pistazien


Die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne hellbraun anrösten, dann aus der Pfanne nehmen und zur Seite stellen. Basilikum- und Minzblättchen von den Stängeln zupfen, waschen und trockenschleudern.
Die Zucchine auf einer Gemüsereibe grob raspeln. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zucchineraspel 1-2 Minuten scharf anbraten. Mit Fleur de Sel  abschmecken und etwas abkühlen lassen.
Die Raspel mit den Basilikum- und Minzblättchen sowie dem Parmigiano in einen Standmixer geben und intervallartig zu einem Pesto mixen, dabei nach und nach das Olivenöl hinzufügen.
Das Pesto mit Fleur de Sel und Pfeffer abschmecken und zu den Tortelli geben. Pinienkerne und Pistazien über die Pasta streuen und mit Minzblättchen und Schnittlauchhalmen belegen.




Rezeptquelle: Beilage "Wedding", "Sale e Pepe", April 2013


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Donnerstag, 11. April 2013

"Nehmen Sie grün, das hebt!"


Kennt Ihr das auch? Manchmal fehlt die Muße zum Kochen. Nicht die Lust, das nicht, nicht einmal die Zeit, aber die Muße! Mit dem Kopf ist man schon woanders, Tausend Gedanken im Kopf - und relative Leere im Kühlschrank...
Trotzdem muss etwas auf den Tisch, und da bietet sich Pasta immer an, wie ich finde.
Es müssen ja auch kein kompliziertes Gericht und unbedingt selbstgemachte Pasta sein. Ja  selbst das Gemüse darf doch mal aus dem Tiefkühler kommen, oder?
Ich habe dann nur noch frische Salbeiblätter und ein paar dünne Scheiben Pancetta gekauft - und in Nu hatte ich einen dampfenden Teller Pasta gezaubert, der ganz gemäß dem Altberliner Spruch "Nehm'Se grün, det hebt" doch gleich wieder für positive Stimmung sorgte.






Spaghettini con crema di piselli, pancetta croccante e salvia



Zutaten (für 2 Personen)


  • 300 g junge Erbsen (Tiefkühlprodukt)
  • 1 Schalotte
  • 200 ml - 250 ml Gemüsebrühe
  • 40 g Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • 4 dünne Scheiben Pancetta affumicata
  • ein paar Salbeiblätter
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 250 g Spaghettini


Die Schalotte in feine Würfelchen schneiden und in etwas Olivenöl in einer Pfanne glasig anschwitzen. Die Erbsen hinzufügen, mit der Gemüsebrühe ablöschen und nach dem Aufkochen ungefähr 5-7 Minuten köcheln lassen. Zwei El Erbsen entnehmen und zur Seite stellen.
In der Zwischenzeit schon einmal Wasser für die Pasta aufstellen.
Die übrigen Erbsen mit einem Pürierstab fein pürieren, den geriebenen Parmesan untermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Erbsencrème zurück in einen Topf füllen; es wird vor dem Servieren noch einmal erhitzt.
In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und ein paar Salbeiblätter darin kross anbraten, danach aus der Pfanne nehmen. Die Pancettascheiben von Schwarte sowie Knorpelstückchen befreien und in dem noch in der Pfanne befindlichen Olivenöl, das nun schön aromatisiert ist, knusprig ausbraten, herausnehmen und auf ein Stück Küchenpapier legen.
Spaghetti al dente kochen, Erbsencrème nochmals erhitzen und mit der Pasta vermischen (ich habe diesmal für die Optik das Gericht gänzlich "unitalienisch" angerichtet und die Crème über die Spaghettini gegeben).
Die Spaghettini mit den Salbeiblättern, den zur Seite gestellten Erbsen sowie der in Stücke zerrupften Pancetta belegen.




Ihr Lieben,
für einige Zeit werde ich nicht zum Bloggen kommen. Ich werde diese - hoffentlich kreative - Blogpause nutzen, um neue Ideen für die Frühlings- und Sommermonate zu sammeln.
Bis dahin kocht und backt, schlemmt und genießt, was das Zeug hält, bloggt darüber - und bleibt gesund!


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Sonntag, 7. April 2013

Die süßesten Röhrchen der Welt: Cannoli Siciliani



Gestern bin ich spontan auf die Suche nach jenen kleinen Metallröhrchen gegangen, die man für die Zubereitung eines der bekanntesten Dolci aus Sizilien braucht, den Cannoli Siciliani.
Es war gar nicht so einfach, diese Röhrchen zu finden, und ich sah mich schon auf dem Weg in den nächsten Baumarkt, wo es Rohre in allen Größen gibt, die man sich dann zurechtschneiden lassen kann. Ursprünglich wurde der Teig sogar um Bambusrohre gewickelt - im botanischen Garten in Trastevere gibt es ein kleines Bambuswäldchen -, aber ob man mich da, mit einer Machete bewaffnet, durch die Tore gelassen hätte?
Ein kleiner, gut sortierter Laden in der Nähe des exklusiven Modeviertels rund um die Via Condotti ersparte mir glücklicherweise den Baumarkt am Stadtrand sowie eine Dschungeltour durch den botanischen Garten.
Ziemlich dünn erschienen mir diese Röhrchen zunächst, viel dünner, als ich mir das vorgestellt hatte.
Aber es gibt Cannoli in allen möglichen Größen, und ich erinnere mich an einen Riesencannolo, armdick, den ich in einem Café in Palermo gesehen hatte.
Nächste Hürde war die Suche nach einem wirklich guten Rezept. Man lese dazu fünf italienische Kochbücher - und man hat  dann fünf völlig unterschiedliche Rezepte zur Auswahl! Da ist von Cannoli gebacken aus 300 g Mehl die Rede, die man dann mit 300 g Ricotta füllen sollte, ein anderes Rezept nimmt für den Teig nur 150 g Mehl, will dann aber 500 g Ricotta in den fertigen Teighüllen unterbringen. Einige Teige sind mit Ei, die anderen ohne, manche mit Butter, andere vollkommen ohne Fett. Die Angaben für den Marsala, der in den Teig kommt, schwanken zwischen einem "halben Gläschen" bis zu einem "ganzen Gläschen", aber wenn man das "Gläschen" nicht kennt? Warum kann man Flüssigkeiten nicht einfach in ml angeben - und dann darauf hinweisen, dass man soviel von dieser Flüssigkeit einarbeiten soll, bis man einen glatten, schönen Teig hat?
Bin ich da jetzt zu pingelig? Geht das nur mir so, dass mich diese ungenauen Angaben ärgern? Beim Kochen sehe ich da keine Probleme, da bewege ich mich oft weg vom Rezept und fange an zu experimentieren. Aber beim Backen kommt es, wie ich meine, schon auf exakte Angaben an.
Angaben zu Größe der Metallhülsen fehlten zudem vollständig. Mit wie vielen von diesen süßen Röhrchen kann man dann später seine Gäste beglücken, wenn man sie aus 150 g Mehl backt? In einem Rezept, dem mit den 300 g Mehl, erhält man angeblich zehn Cannolihüllen zum Füllen, ein weiteres Rezept, auch aus 300 g Mehl, verspricht Cannoli-Genuss für sechs Personen; wie viele davon darf dann jeder essen?
Ein schönes Rezept für Cannoli habe ich dann nicht in meinen diversen Kochbüchern gefunden, sondern mal wieder bei GialloZafferano.
Dort gibt man, wie es die Tradition will, Schmalz zum Teig. Diesen habe ich allerdings durch Butter ersetzt - Traditionalisten mögen es mir nachsehen. Apropos Schmalz. Wie anderes Schmalzgebackenes waren die Cannoli ursprünglich auch ein Gebäck, das man zur Karnevalszeit zubereitet hat. Heute aber gibt es sie ganzjährig.
Zur Vorbereitung habe ich aber erstmal meine Metallhülsen genommen und Papierchen zurechtgeschnitten, um später nicht mit dem Teig experimentieren zu müssen. So wusste ich ungefähr, wie groß ich meine Teigquadrate ausstechen musste. Nach der ersten Backrunde habe ich den Teig noch einmal etwas dünner ausgerollt.
Was soll ich sagen: mein erster Cannoli-Versuch scheint gelungen!




Zutaten (für ca. 18 Cannoli)

Teighülsen 


  • 250 g Mehl
  • 30 g Puderzucker
  • 50 g Butter (im Original-Rezept: Schmalz)
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • 1 Tl Zimt
  • 1 Tl Kakaopulver
  • 30 ml Weißweinessig
  • 30 ml Marsala
  • 1 Eiweiß
  • 1 L hoch erhitzbares Pflanzenöl (im Original-Rezept: Schmalz)


Ich benutze Cannoli-Formen mit einer Länge von 11,7 cm und einem Durchmesser von ca. 2,4 cm.
Cannoliformen (und deswegen ist es gut, dass ich sie nicht aus dem Baumarkt habe) bestehen aus einem gerollten und nicht zusammengeschweißten Blech, so dass sie flexibel bleiben. Das erleichtert später das Abnehmen der fertigen Teighülsen.

Aus dem gesiebten Mehl, Puderzucker,  Butter in Flöckchen, Salz, Ei, Zimt und Kakaopulver einen elastischen Teig kneten, dabei vorsichtig den mit dem Essig vermischten Marsala hinzugießen. Eventuell braucht man nicht die ganze Flüssigkeit.
Den Teig in Folie wickeln und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Danach portionsweise ausrollen. Mit der Nudelmaschine kann man bis auf Stufe 6 gehen.
Dann Quadrate von ungefähr 9 cm Seitenlänge ausschneiden.


Die Teigquadrate um die Formen, die man vorher etwas eingeölt hat, wickeln und die Spitzen aneinanderdrücken. Diese vorher mit etwas Eiweiß bestreichen.


In einem Topf das Öl erhitzen, und die Formen mit dem Teig portionsweise ausbacken. Mit einer Schaumkelle herausfischen und auf einen mit Küchenpapier ausgelegten Teller legen und vollständig erkalten lassen. Dann die Metallhülsen etwas zusammendrücken und die Cannoli abziehen.

Das Entfernen der Hülsen verlief ohne Probleme...

Die erste Runde: Noch sind die Teighüllen etwas dick (aber trotzdem wunderbar im  Geschmack).

In der zweiten Frittierrunde habe ich den Teig etwas dünner ausgerollt. Jetzt sind sie perfekt!


Ganz wichtig: Die Teighüllen kann man schon einige Tage vorher backen, aber gefüllt werden sollten sie erst kurz vor dem Servieren!

Die Füllung:

Ganz entscheidend für einen echt sizilianischen Cannoli-Genuss ist natürlich die Füllung. Ich habe mich natürlich für die beliebtere Ricotta-Füllung entschieden, auch wenn man in der Gegend um Messina und Catania gerne auch Konditorcrème in die Röhrchen spritzt.
Nirgends schmeckt die Ricotta aromatischer als auf Sizilien, dieser faszinierendsten Region Italiens! Aber es ist nicht nur der Geschmack, es ist das gesamte Mundgefühl, diese seidige Konsistenz der Ricotta, wie ich sie nur dort genossen habe.
In der Nähe des Justizpalasts von Palermo gibt es einen kleinen Verkaufsstand, eine Art "Kiosk", der rund um die Uhr geöffnet ist. Dort kann man sich frische Brioches, wie Cornetti in Italien auch genannt werden, kurz vorm Verzehr füllen lassen - mit Marmelade, Nutella und eben auch mit jener so unvergleichlichen Ricotta! Vor Jahren kamen wir nach stundenlanger Autofahrt von Rom aus in Palermo mitten in der Nacht an. Die Strecke ist nicht zu unterschätzen: 900  Kilometer muss man dabei zurücklegen, und gerade auf den Autobahnen Kalabriens ist es eine elende Fahrerei. Dann muss man auf die Fähre in Reggio warten, um nach Messina überzusetzen.
Wir waren jedenfalls müde und hungrig. Ein paar eingetrocknete Scheiben Bresaola auf einem Tellerchen, das uns das Hotel noch ins Zimmer gestellt hatte, hob unsere müde Stimmung nicht gerade. Normalerweise sehne ich mich nach einer solchen Fahrt nur noch nach einem Bett. Aber ich war schlagartig wach und schlug vor, noch in der Nacht zum Justizpalast zu fahren, zu jenem kleinen Kiosk, den wir schon aus vorangegangenen Besuchen gut in Erinnerungen hatten. So etwas kommt bei mir wirklich selten vor, gerade auch die Lust auf Süßes.
Gut - zurück zu meinen Cannoli und der Ricotta. Um sich dem "sizilianischen" Ricotta-Erlebnis anzunähern, reicht es nicht, diese einfach mit Zucker zu verrühren. Nein, die Ricotta will mit Respekt behandelt werden:


  • 600 g Ricotta di pecora (Schafsricotta)
  • 150 g Zucker
  • 75 g Schokotröpfchen (oder kleingehackte dunkle Schokolade)
  • Orangeat, Zitronat, kandierte Kürbisstückchen oder kandierte Kirschen (Menge nach Geschmack)
  • gehackte Pistazien
  • Puderzucker zum Bestäuben


Zunächst sollte man die Ricotta gut abtropfen lassen. Ich habe sie in ein Sieb gelegt, dieses über eine Schüssel gehängt und sie für einige Stunden (das kann man auch über Nacht) in den Kühlschrank gestellt.
Dann wird die Ricotta mit dem Zucker verrührt und kommt noch einmal für eine Stunde in den Kühlschrank.
Die gesüßte Ricotta wird danach durch ein engmaschiges Sieb gestrichen.
Jetzt kann man sie nach Belieben mit kandierten Früchten, Schokotröpfchen oder beidem verrühren.
Die Ricottamasse in einen Spritzbeutel füllen und in die Teighüllen spritzen.




Die beiden Enden der Cannoli kann man nun nach Belieben verzieren. Entweder mit kandierten Kirschen, einem Stück kandierter Orangenschale oder auch mit gehackten Pistazien. Auch das soll je nach Region unterschiedlich sein.
Die Cannoli zum Abschluss noch mit etwas Puderzucker bestäuben.

Ein Cannoli-Gruppenfoto gibt es nicht, denn ich bringe sie heute Abend lieben Freunden zum Dessert mit. Erst dann werden sie gefüllt, damit die Teighüllen schön knusprig bleiben.




Und dann: Augen schließen, Cannoli genießen - und von Sizilien träumen...



Nicht verkäufliche "Ausstellungsstücke" in einer römischen Konditorei. Erst beim Kauf werden sie mit frischer Ricotta gefüllt.


Kochrezepte Basar -teilen,inspirieren,stöbern,entdecken- immer Freitag bis Sonntag - tobias kocht!



♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 5. April 2013

Backen mit einer "Unbekannten" - Mini-Cheesecakes con cicoria



Mir fehlen die Worte!
Das heißt: Mir fehlt ein Wort, nämlich die deutsche Bezeichnung für eine Gemüse mit dem schönen italienischen Namen Cicoria.
Das ist kein Chicorée, denn dieser Salat heißt im Italienischen Indivia belga.
Selbst Langenscheidts Praxiswörterbuch Gastronomie scheitert an dieser Frage (wie schon oft zuvor, nebenbei bemerkt); ist also auch keine große Hilfe. Cicoria=Chicorée steht dort zu lesen.
Nächste Anlaufstelle war dann Cédric Dumonts Kulinarisches Lexikon. Unter dem Stichwort "Zichorie, Wegwarte" erfuhr ich, das die fleischige Pfahlwurzel des auch als Rübenpflanze bezeichneten Gemüses gekocht und gemahlen als Kaffee-Ersatz verwendet werden kann. Die aus den Wurzeln treibenden Blattsprossen nennen sich - Chicorée! Eine weitere Zuchtart sei die Endivie - aha!
Meine Verwirrung war jetzt komplett.
Wie Chicorèe aussieht, weiß ich. Und das, was ich heute morgen auf dem Campo de' fiori als "Cicoria" gekauft habe, sieht ziemlich anders aus...
Letzter Versuch - ein Blick in das im Könemann-Verlag erschiene Werk über Zutaten mit dem Titel Ingredienzien. Ich habe allerdings nur die italienische Ausgabe: Ingredienti.
Bei Cicoria war ein dem Radicchio ähnlicher Salatkopf abgebildet.
Hilfe!
Mein Gemüse sieht dagegen so aus:




Zusammenfassend kann ich nach meinem jetzigen Wissensstand nur sagen, dass Cicoria eben wie der Chicorèe zu den sogenannten Zichoriengewächsen gehört.
Wie auch immer: Heute gab es pikante kleine Törtchen mit diesem Gemüse, frei nach einem Rezept aus der aktuellen "Sale e Pepe".
Ich habe die Cheesecakes aber etwas "aufgepeppt" und traue mich mal ganz frech, dem ganzen ein wenig mehr Würze zu geben. So wird zum Beispiel laut Rezept kurz eine halbe! Knoblauchzehe in Olivenöl angeschwitzt und wieder entnommen, bevor dann die Cicoria, ich nenne sie weiterhin Cicoria, da mir eine exakte deutsche Bezeichnung fehlt, mit in die Pfanne hüpfen darf. Ich dagegen nehme eine ganze Knoblauchzehe - und diese bleibt dann auch im Gemüse!
An Stelle der vorgesehenen Minze gebe ich eine in feine Ringe geschnittene Frühlingszwiebel sowie etwas gehackte Petersilie zum Frischkäse.
Ich habe mir natürlich auch darüber Gedanken gemacht, was man für eine Gemüse nehmen könnte, wenn es an der Cicoria scheitern sollte, da nördlich der Alpen vielleicht auch unauffindbar. Radicchio könnte ich mir optisch und natürlich geschmacklich sehr gut in diesen Törtchen vorstellen - und Radicchio gehört ja ebenfalls zu den Zichoriengewächsen.





Zutaten (6 Cheesecakes)


  • 120 g Salzcracker
  • 70 g Parmigiano Reggiano
  • 50 g Butter (im Original-Rezept 40 g) + Butter zum Ausfetten der Formen
  • 200 g Cicoria (im Original-Rezept 160 g)
  • 1 Selleriestange, ca. 50 g (im Original-Rezept 30 g)
  • 1 Knoblauchzehen (im Original-Rezept eine halbe)
  • 400 g Robiola* (oder ein anderer Frischkäse)
  • 2 Eier
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Olivenöl extra vergine
  • 1 El feingehackte Petersilie (im Original-Rezept: ein Bund Bergminze, fein gehackt)
  • 1 Frühlingszwiebel (von mir hinzugefügt)
  • 6 Dessertringe von jeweils 8 cm Durchmesser


Zunächst einmal war schon beim Zubereiten abzusehen, dass die Zutaten für mindestens 6 Dessertringe reichen. Im Originalrezept ist von vier Förmchen die Rede.
Die zerlassenen Butter habe ich um 10 g erhöht, die im Originalrezept angegebene Menge reichte nicht aus. Die Backtemperatur habe ich nach 10 Minuten von 160 (im Rezept) auf 190 Grad erhöht, das die Käsemasse zu weich blieb. Ich denke ein Kompromiss von 180 Grad wäre perfekt.

Die Cicoria putzen, ich habe dabei Teile der Stängel sowie einige unansehnliche Blätter entfernt, gut waschen und trockenschleudern. Den Stangensellerie fein würfeln, die Knoblauchzehe fein hacken.
In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Selleriewürfel mit dem Knoblauch anschwitzen, dann die Cicoria hinzufügen und zusammenfallen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und grob zerkleinern.
Den Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
Die Salzcracker fein zerbröseln und die Butter zerlassen. Brösel mit Butter und 30 g Parmesan mischen.
Sechs Dessertringe mit Butter ausfetten und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech (ich habe ein Pizzablech genommen) setzen. Die Bröselmischung in jeder Form verteilen und gut andrücken (ich habe einen kleine Saucenkelle dazu verwendet). Das Blech mit den Förmchen 15 Minuten in den Kühlschrank stellen.



In der Zwischenzeit den Robiolakäse mit dem restlichen Parmesan, einer in feine Ringe geschnittenen Frühlingszwiebel, einem El gehackte Petersilie und zwei Eiern vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Förmchen aus dem Kühlschrank nehmen und in jedes zunächst die Hälfte der Frischkäsecrème verteilen. In jedes Förmchen dann etwas von der Cicoria geben und mit der verbleibenden Crème abdecken,
Im Ofen 20 bis 25 Minuten backen. Danach etwas abkühlen lassen und vorsichtig die Förmchen entfernen.




*Und zum Schluss muss ich noch etwas motzen: 400 g Robiola werden für das Rezept gebraucht. In einem Supermarkt erstand ich zwei (vom Supermarkt abgepackte) Plastikschälchen mit jeweils zwei  abgepackten Päckchen von diesem Frischkäse; diesen noch in Originalverpackung. Inhalt laut der einen Packung: 218 g, laut der anderen 216 g. Prima, dachte ich mir, passt ja. Ist ein bisschen mehr, aber kann ich ja abwiegen.





Ich muss jetzt noch vorausschicken: Ich gehöre nicht zu den Erbsenzählern, die sich beim Metzger erst das Papier abwiegen lassen! Hier handhabt man das sowieso - wie soll ich sagen - "lockerer".
Aber dass heute beim Abwiegen des Käses auf einmal nur 350 g auf meiner Waage lagen, fand ich, gelinde gesagt, eine Frechheit! Das bringt mich beim Kochen und Backen dann einfach in Verlegenheit! 
Das ummantelnde Papier für diesen Robiolakäse allein hat schon Gewicht, zudem steht auf dieser Verpackung selbst nirgends eine Gewichtsangabe drauf.
Was ist also passiert? Man nimmt ein Plastikschälchen, legt zwei verpackte Frischkäseteilchen hinein - und wiegt dann alles zusammen.
So macht man das!






Kochrezepte Basar -teilen,inspirieren,stöbern,entdecken- immer Freitag bis Sonntag - tobias kocht!





♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 3. April 2013

Den Frühling zwischen die Pasta schichten - Lasagna aperta con asparagi, fiori di zucca e burrata



Nach den fast sintflutartigen Regengüssen der vergangenen Tage schien heute endlich wieder die Sonne. Das lässt das trübe Wetter an Ostern sowie auch gewisse Ostertorten vergessen...
Der blaue Himmel weckte die Lust auf ein vegetarisch-leichtes, frühlings-frisches Pastagericht - mit natürlich selbst gemachter Pasta!




Witzigerweise habe ich diese "offene" Lasagne zum ersten Mal in einer urigen Enoteca in Umbrien gegessen, die wir bevorzugt im Winter aufsuchen. Die Enoteca Onofri in dem kleinen Städtchen Bevagna, mit ihren dunklen Holztischen und dem großen steinernen Kamin, lockt besonders in der kalten Jahreszeit in ihre gemütlichen Räume. Da wir im November unseren Olivenöl-Vorrat stets in dem nicht weit von Bevagna entfernt gelegenen Städtchen Trevi erneuern, lassen wir danach den Tag oft in der Enoteca Onofri bei einem guten Glas Wein, einem dampfenden Teller Pasta sowie einem einfachen, aber guten Fleischgericht ausklingen. Für Naschkatzen locken zum Abschluss noch warme Schokottörtchen sowie andere Leckereien.
Vor ein paar Jahren nun bestellte ich dort eine sogenannte "Lasagna aperta", eine "offene" Lasagna. Die Teigblätter werden dabei nicht in eine Auflaufform geschichtet und dann je nach Rezept im Ofen gegart, sondern sie werden nach dem Kochen direkt mit den anderen Zutaten auf den Tellern angerichtet.
Nachdem ich das Gericht jedenfalls gründlich seziert und dann mit großem Genuss gegessen hatte, machte ich mich an einem der nächsten Tage in der heimischen Küche ans Nachbasteln.
Heute habe ich das Gericht einmal wieder hervorgeholt und uns mit dem grünen Spargel sowie den Zucchiniblüten ein wenig den Frühling auf den Teller gezaubert.





Zutaten (für 3 Personen)

  • 150 g Mehl
  • 50 g Hartweizengriess
  • 2 Eier
  • wenige Tropfen Olivenöl
  • Salz


Aus den Zutaten nach meinem Grundrezept einen Pastateig zubereiten, diesen nach der Ruhezeit ausrollen und in "tellergerechte" Quadrate schneiden.


  • 350 g grüner dünner Spargel
  • 20 Zucchiniblüten
  • 3 Tomaten
  • 1 Tl Safranfäden
  • 300 ml Gemüsefond oder gute Gemüsebrühe
  • 2-3 El Parmigiano Reggiano, frisch gerieben
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 1 Burrata 


Den Spargel putzen, das untere Ende eventuell schälen, und den Spargel in 3 cm lange Stücke schneiden. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Spargelstücke kurz anbraten, dann mit dem Fond oder der Brühe ablöschen und das Gemüse weich, aber noch bissfest garen.
In der Zwischenzeit die Zucchiniblüten waschen, trockentupfen und längs in feine Streifen schneiden (eventuell drei Zucchiniblüten für die Dekoration zurückbehalten).
Die Tomaten einritzen, mit kochendem Wasser überbrühen, abschrecken, häuten, entkernen und in Würfel schneiden. Die Safranfäden in wenig heißem Wasser einweichen.
Den Ofen auf 50 Grad vorheizen und die Teller darin erwärmen.
Wenn die Spargel bissfest sind, die Zucchiniblütenstreifen sowie die Tomatenwürfel und die Safranfäden untermischen. Den Sugo mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken und den Parmigiano unterrühren.
Die Pasta-Teigplatten nun portionsweise in kochendem Salzwasser ca. 2 Minuten garen, herausfischen und kurz auf ein sauberes Küchenhandtuch legen.
Auf den Tellern die Teigplatten abwechselnd mit dem Sugo schichten und die Teller nochmals zum Warmhalten in den Ofen stellen.
Vor dem Servieren auf jede Lasagna etwas von der zerpflückten Burrata geben.





Ristorante e Enoteca Onofri
Via Onofri
Bevagna (PG)
0039 0742361926
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♥♥♥
Un abbraccio
Ariane


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